Half-Life 2, Steam und deutsches Recht

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Wie der Titel schon sagt, soll es hier um den neuesten Shooter Half-Life 2 aus dem Hause Valve Entertainment gehen, ausnahmsweise nicht um die spielerischen Qualitäten oder den Mangel daran, sondern um verärgerte Kunden dank der mitgelieferten „Steam“-Software. Bei meinen gelegentlichen Ausflügen zum Online-Magazin Telepolis fiel mir vor kurzem folgender Artikel ins Auge, der mich etwas stutzig machte, was diesen von vielen Spielern lang erwarteten Shooter angeht.

Was den Zwang zur Online-Produktaktivierung angeht, hatte es ja schon im Vorfeld der Veröffentlichung etliche Schmährufe an die Adresse von Valve Entertainment gehagelt. In der Praxis sieht das so aus, daß sich die Steam-Software zusammen mit dem Spiel automatisch installiert und von diesem Punkt an ständig im Hintergrund auf dem PC des Spielers läuft und sich um eine Verbindung „nach Hause“ bemüht. Stimmen verschiedener Spieler zufolge ist ein wirkliches Offline-Spielen des Titels z.B. im Singleplayer nur möglich, wenn man die Verbindung zum Internet gleich ganz kappt, da eine Firewall, die Steam den Zugang zum Internet verwehrt, häufig zum Absturz des Spiels führt. Hier lohnt sich ein Blick in die rechtlichen Hintergründe:

Neben dem Zwang zur Produktaktivierung können hier laut EULA (End User License Agreement) von Steam Daten gesammelt werden, um Profile z.B. auch von einzelnen Benutzern zu erstellen, was die Software in den Augen vieler User als Spyware erscheinen läßt.

Nun zu des Pudels Kern: Aufgrund der gesammelten Informationen entscheidet Valve, ob ein Account gültig ist, d.h., ob der Nutzer sich mit einem gültigen CD-Key registriert hat. Sollte das nicht der Fall sein, tritt Valve, wie in dem TP-Artikel (s.o.) so schön formuliert, gleichzeitig als „Ankläger, Richter und Henker“ auf. In punkto Raubkopien ist das auch in der Ausführung soweit in Ordnung, sofern es sich nur auf das betreffende Spiel, HL2, bezieht.
Sollte allerdings jemand eine legale Version von z.B. HL1 oder einem anderen Spiel aus dem Hause Valve neben der illegalen HL2-Kopie installiert und (zwangsweise) bei Steam mit seinem Konto registriert haben, werden auch die legal erworbenen Spiele für den Online-Betrieb dauerhaft gesperrt.
Es gehen also ohne Rücksicht auf rechtliche Grundsätze alle installierten Valve-Spiele dauerhaft verloren. Wie sich diese Passagen der EULA für HL2 (nicht zu verwechseln mit der von Steam) mit deutschem Recht vertragen, ist sehr schön in diesem Post von
Dio82 im Steam-Forum dargelegt. In dem Post findet man auch die Grundlagen, die den von Valve unerwünschten und ebenfalls sanktionierten Weiterverkauf von HL2 und damit die Weitergabe des Accounts an den neuen Käufer regeln.

Insgesamt läßt sich sagen, daß hier versucht wird, amerikanisches Zivilrecht, das so gut wie keinen Schutz der Interessen des Käufers vorsieht, auf Deutschland anzuwenden. Allerdings wird in dieser Hinsicht die Unwirksamkeit sämtlicher Schutzhüllenverträge (Definition) in Deutschland fleißig übersehen.

Für den Spieler heißt das im Klartext, daß
1. er über eine Internetverbindung zwingend verfügen muß, um sich zu registrieren,
2. sich Steam nur auf eine Offline-Runde HL2 einläßt, wenn das entsprechende Kabel nicht im Rechner steckt.
3. bei Pannen bei der Registrierung oder fälschlicher Identifikation als Cheater evt. alle Spiele von Valve verloren gehen und dann die leidige Auseinandersetzung mit dem Support anliegt.
4. er sich darauf einläßt, daß Profile über sein Verhalten erstellt und ausdrücklich auch an Dritte weitergegeben werden dürfen.
5. er damit rechnen muß, daß sich der Weiterverkauf von HL2 bei Nicht-Gefallen des Spiels unter Umständen als sehr problematisch erweisen kann.

Wer sich einen solchen Umgang gefallen läßt, um HL2 spielen zu können, sollte zumindest diese Hintergründe kennen, um nicht alles mit sich machen lassen zu müssen. Für mich persönlich heißt das „Finger weg“ von einem Shooter, auf den ich mich lange Zeit gefreut habe und der mit Sicherheit spielerisch einiges zu bieten hat. Allerdings habe ich keine Lust, mit meinen finanziellen Mitteln diesen neuen Pionier des DRM zu unterstützen, bevor diese Unsitte weitere Kreise zieht.

Kommentare sind herzlich willkommen.

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